Projektförderung in Bolivien: Wiederaufforstung zum Erosionsschutz

von Apr. 15, 2026

ZUSAMMENFASSUNG. Der FoodForestNetwork e.V. erhält von der Tools for Life Foundation eine Förderung für ein Wiederaufforstungsprojekt in Bolivien. Dies ist ein wichtiger Schritt, um Erosion zu stoppen, Wasser zu sichern und die lokalen Gemeinschaften zu stärken.


Die Tools for Life Foundation unterstützt den Verein bei einem Wiederaufforstungsprojekt in der andinen Region Boliviens oberhalb des Dorfes Combuyo (Municipio Vinto, Departamento Cochabamba).

„Die Andenregion ist stark von den Klimaveränderungen betroffen“

Wiederaufforstung für Erosionsschutz

Gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung wird unsere Projektpartnerin und Initiatorin des Projektes Dr. Noemi Stadler-Kaulich vom Institut für Andine Agroforstwirtschaft Mollesnejta auf einem steilen, stark erosionsgefährdeten Hang einen artenreichen Schutzwald nach der Methode des Dynamischen Agroforsts pflanzen. Ziel ist es,

  • Erosion zu verhindern und die Stabilität des Hanges zu erhöhen.
  • Außerdem soll die Regenwasserinfiltration verbessert werden, damit die Quelle des Dorfes auch in langen Trockenzeiten weiter Wasser führt.
  • Darüber hinaus soll ein vielfältiger Mischwald etabliert werden, der durch die Nutzung als Bienennährgehölz langfristig geschützt und gepflegt wird.

Gemeinsam Mehrwert schaffen

Auf einer Fläche von rund 3.000 Quadratmetern wird pro Quadratmeter ein Baum gepflanzt – dicht, divers und so gestaltet, dass sich die Arten gegenseitig unterstützen. Die Blütenbäume bieten Nektar und Pollen für die lokale Imkerei, schaffen eine zusätzliche Einkommensquelle und erhöhen zugleich die Akzeptanz für den Wald als wertvolle Ressource. Von dem Projekt profitieren insbesondere die überwiegend kleinbäuerlichen, indigenen Familien in Combuyo, deren Felder direkt von Erosion und Hangrutsch bedroht sind.

Abgebrannter Berghang, 2023

Vorgeschichte

Noemi berichtet mit Fotos über die Vorgeschichte des Hanges oberhalb der Dorfgemeinde Combuyo im Tal von Cochabamba, der aufgeforstet werden soll.

1. Der Hang oberhalb von Combuyo 1998. Der Hang von Combuyo beginnt mit dem Steilhang im Hintergrund.
2. Aufgrund der Rinder der Dorfbewohner, die den Hang beweiden (damals und bis heute), kann keine natürliche Regeneration der heimischen Bäume stattfinden, stattdessen sind Hangabrutsche sichtbar. In den Dorfsitzungen, an denen ich regelmäßig teilnehme, plädiere ich immer wieder für eine Aufforstung des Hangs.
3. Die Dorfbewohner lassen sich im Januar 2013 für eine Hangaufforstung motivieren. Das Foto zeigt ein Mädchen, das den Pflanzenden Bäumchen anreicht.
4. Im Juni 2013 zerstört ein Feuer die aufgeforstete Fläche
5. Der Berghang nach dem Feuer im Juni 2013
6. Im August 2023 zerstört ein weiteres Feuer die nachgewachsene Vegetation am Hang. In der darauffolgenden Regenzeit verursacht ein Starkregenereignis am Hang verheerende Erosionen. Aufgrund der nun fehlenden Bodensubstanz ist ab jetzt eine Naturverjüngung unwahrscheinlich.
7. Der Berghang oberhalb Combuyo im Februar 2026
8. 40 Bienenkästen unterhalb des Hanges

Projekt: Wiederaufforstung zum Erosionsschutz

Noemi: „Die Andenregion ist stark von den Klimaveränderungen betroffen und der Steilhang oberhalb von Combuyo deshalb intensiver Erosion ausgesetzt. Das Fehlen von Bodensubstrat lässt keine natürliche Regeneration heimischer Baumarten zu. Eine Aufforstung, die gleichzeitig einen Schutzwald darstellt, soll dazu dienen:

  • Erosionsminderung
  • Beitrag zum Klimaschutz
  • Beitrag zur Einkommenssicherung (Imkerei, Sammlung von Medinzinalpflanzen, auf längerer Sicht Ernte von Wertholz – ist bei dichter Bepflanzung notwendig – und dessen Weiterverarbeitung) der Bevölkerung von Combuyo, die in der Pufferzone des Parque Nacional Tunari ansässig ist (auch modellhaft für die weiteren Dorfgemeinden in der Pufferzone) 
  • Naturfläche für die heimische Flora und Fauna (darunter Medizinalpflanzen, Wildkatze, Carachupa, Vögel)
  • Sicherung der Wasserführung der Quelle im Dorf, bzw. modellhaft für Wiederbefüllung der Brunnen im Tal, da die Hangbewaldung das Einsickern von Regenwasser in den Boden begünstigt, wodurch wiederum die Überschwemmungen im Tal verhindert werden.

Die aufzuforstende Fläche liegt zu 100% innerhalb des Tunari-Nationalparks mit dem einzigartigen Vorkommen der Vogelart Poospiza garleppi, dessen Habitat die beiden Kewinhua Arten Polylepis besseri und Polylepis subtusalbida sind. Zudem leben dort auch einzigartige Kolibris. Gleichzeitig liegt die aufzuforstende Fläche genau im Anschluss an das Grundstück von Mollesnejta, weshalb der Schutz vor Weidetieren und Feuer gewährleistet ist. Ein Zufahrtsweg und Wasservorratsbecken (ca 30 m3) sind vorhanden.

Die Aufforstung geschieht mit 12 Baumarten (darunter auch die oben genannten Polylepis-Arten), die aufgrund der Erfahrungen auf dem Gelände von Mollesnejta wenige Jahre nach ihrer Pflanzung feuerresilient sind. Unter diesen Baumarten sind mehrere mit sehr Pollen- und Nektarreichen Blüten, einige blühen sehr früh im Jahresverlauf, andere spät, so dass es fast das ganze Jahr über Pollen und Nektar für Bienen, Wildbienen und Kolibris gibt. 

Nachdem ich die Dorfgemeinde über das bevorstehende Aufforstungsprojekt informiert habe, bin ich von Doña Marylen gefragt worden, ob sie auf dem Gelände von Mollesnejta, knapp unterhalb des aufzuforstenden Geländes ihre Bienenvölker aufstellen kann. Seit diesem Wochenende stehen dort oben rund 40 Bienenkästen (Foto 8). Auch dies ist bereits modellhaft für die Möglichkeit der Imkerei.“

Gemeinsam Agroforstprojekte vorantreiben

Für uns als FoodForestNetwork e. V. ist dieses Projekt ein weiteres Beispiel dafür, wie komplexe Agroforstsysteme (Food Forests) Klimaresilienz, Biodiversität, Bodengesundheit und Ernährungssouveränität praktisch zusammenbringen – in Deutschland, im Globalen Süden oder weltweit.

Ein herzlicher Dank geht an die Tools for Life Foundation für das Vertrauen und die Förderung sowie an Dr. Noemi Stadler-Kaulich und das Team von Mollesnejta für ihre langjährige Pionierarbeit im andinen Agroforst. Wir freuen uns darauf, die nächsten Schritte und Forschungsergebnisse von diesem Hang mit euch zu teilen.

Projektförderer Tools for Life Foundation

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